• Gerhard Preschitz

Covid-19

Und die Auswirkungen auf die menschliche Seele.


Teil 2: Besonders Betroffene, deren Symptome und die Behandlungsmöglichkeiten



Dazu liegen mittlerweile mehrere Studien vor, die alle zu den selben oder zumindest zu sehr ähnlichen Ergebnissen gelangen:


1) Wer sind die besonders Betroffenen?


Als besonders betroffen einzustufen sind COVID-19 Erkrankte, jüngere Menschen, Frauen und Menschen, die schon vor der Pandemie psychisch stark belastet waren.


Im Detail:


COVID-19 Erkrankte sowie Personen, bei denen ein höheres Risiko für schwere Erkrankungen durch COVID-19 besteht:


Hier wirkt sich vor allem der Wegfall von Ausweichmöglichkeiten aus. Er kommt als Zusatzbelastung zu den allgemeinen Folgen wie sozialer Isolation oder der Konfrontation mit einer unbeeinflussbaren Situation zu tragen.

Die psychischen Folgen reichen von Depression über massive Angstzustände bis zu posttraumatischen Belastungsstörungen.


Kinder und Jugendliche:


Die massiven Einschränkungen der Sozialkontakte sowie die Angst um nahestehende Menschen standen und stehen für Kinder und Jugendliche als Belastungsfaktoren im Vordergrund. Hinzu kommt der verstärkte Konsum digitaler Medien, die das Risiko psychischer Erkrankungen erhöhen - sowohl inhaltlich als auch grundsätzlich.

Die psychischen Folgen umfassen vielfältige Ängste bis zur allgemeinen Zukunftsangst, erhöhte Depressivität sowie diffuse Bedrohungsgefühle.


Frauen:


Die Dauer psychisch bedingter Krankenstände ist bei beiden Geschlechtern während der Pandemie deutlich angestiegen, insgesamt sind Frauen allerdings häufiger davon betroffen. Die besondere Häufigkeit psychischer Betroffenheit der Frauen resultiert hauptsächlich aus ihren häufigen Rollen und Aufgaben. Diese treten in der Pandemie verstärkt auf.

Ich möchte an dieser Stelle KKH-Wirtschaftspsychologin Antje Judick im deutschen Ärzteblatt von 20.4.2021 zitieren: „Der Spagat zwischen Arbeit sowie der Betreuung von Kindern und pflegebedürftiger Angehöriger gehört zu den Gründen, warum Frauen in der Krise psychisch mehr beansprucht sind als Männer“, erläutert sie. Zwar habe die Doppelbelastung von Familie und Beruf Frauen wegen des immer noch vorherrschenden klassischen Rollenbilds auch schon vor der Pandemie seelisch stärker gefordert. Seit Corona habe sich das Problem allerdings noch verschärft. Ein weiterer Faktor sei, dass mehr Frauen in sozialen Berufen etwa als Kranken- und Altenpflegerinnen sowie in Branchen

mit viel Menschenkontakt beschäftigt seien, zum Beispiel im Verkauf. „In diesen Bereichen ist die Belastung durch Corona besonders hoch“, erzählt Judick.



Menschen, die schon vor der Pandemie psychisch belastet waren:


Für einige Personengruppen wird ein höheres Risiko für psychischen Stress in der Literatur genannt. Aus meiner Praxis kann ich das jedenfalls bestätigen. Es handelt sich um:

  • Pflegende, die Familienmitglieder oder Angehörige versorgen,

  • Mitarbeiter an „vorderster Front“, wie z.B. Gesundheitsdienstleister und Ersthelfer,

  • unverzichtbare Arbeitskräfte, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten,

  • Personen, die Substanzen konsumieren oder an einer Störung des Substanzkonsums leiden,

  • Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, deren Arbeitszeit verkürzt wurde, oder bei denen andere wichtige Veränderungen in ihrem Beschäftigungsverhältnis eingetreten sind,

  • Menschen mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen,

  • Menschen, die von anderen sozial isoliert sind, einschließlich Menschen, die allein leben, und Menschen in ländlichen Gebieten oder Grenzregionen,

  • Angehörige ethnischer Minderheitengruppen,

  • Menschen, die keinen Zugang zu Informationen in ihrer Muttersprache haben,

  • Obdachlose.

Grundsätzlich wirken die Belastungen durch die Pandemie als Auslöser für das Auftreten aller möglicher psychischer Symptome. Dies betrifft die genannten Personengruppen genauso wie alle anderen Menschen, die schon vor der Pandemie seelisch belastet waren.


2) Welche Symptome treten auf?


Die Symptome sind, wie bereits beschrieben, sehr vielfältig. Sowohl Rückzug, Depressivität als auch Angst, Schlaflosigkeit, Zwangsverhalten oder die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung können auftreten.


3) Worin bestehen nun die jeweiligen (Be)Handlungsmöglichkeiten?


Am besten hilft eine Kombination mehrerer hilfreicher Aktivitäten. Dazu gehören:

  • Aktive Aufnahme oder Reaktivierung reduzierter sozialer Kontakte (Familie, Freundeskreis, Kollegenkreis, ….)

  • Psychologische, psychotherapeutische und/oder ärztliche Beratung

  • Bei Bedarf psychotherapeutische Behandlung

  • Zusätzlich jedenfalls: Bewegung im Freien, regelmäßige leichte sportliche Aktivität

  • Für Eltern, Angehörige oder aufmerksame Beobachter: zur gegebenen Zeit ein Gespräch suchen. Dabei die eigene Wahrnehmung anzusprechen, oder darüber zu reden, dass es ganz normal ist, sich nicht gut zu fühlen, Angst zu haben oder sich vielleicht sogar schuldig zu fühlen für etwas, wofür man doch gar nichts kann, allein das kann schon viel bewirkten. Und auch darüber, dass Sorgen, Ängste und Niedergeschlagenheit auch viele andere Menschen betreffen und es sehr klug sein kann, sich bei der Überwindung unterstützen zu lassen.


Entscheidend ist, sich – zumindest ein kleines bisschen – zuzugestehen, dass es Situationen gibt, in denen die bisherigen eigenen Strategien nicht ausreichen und in denen es daher sinnvoll ist, den ersten Schritt in Richtung Veränderung zu wagen. Denn Veränderung beginnt ja bekanntlich immer mit dem ersten Schritt!



Quellen:

  • Strauß, Berger, Rosendahl (2021): Folgen der COVID-19-Pandemie für die psychische Gesundheit und Konsequenzen für die Psychotherapie

  • aerzteblatt.de (2021)

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